Mi
30
Jun
2010
ich habe euch nun einige Monate ziemlich vernachlaessigt und dabei fehlt noch ein ganzer Teil meiner Weltreise, den ich jetzt nachholen werde: Kapstadt
Netterweise hat mir meine Freundin Martina, die dort nun auch fast seit 1 Jahr arbeitet, Unterschlupf angeboten :-) Nach den besagten 30 Flugstunden von Sydney ueber Singapore und Dubai war ich erstmal ziemlich fertig....doch schon auf dem Weg zu Martina konnte ich einen ersten Blick auf das Wahrzeichen Kapstadts werfen, dem Tafelberg. Unglaublich dass sowas nur durch die Natur entstanden ist. Wie mit dem Lineal gezogen liegt dieser Riese direkt hinter der Stadt, oft mit Wolken ueberzogen....der erste Abend ging schnell mit Dinner und Wein zu Ende. Martinas Wohnung und die Gegend darum hat mir von Anfang an gut gefallen. Nur ein paar Minuten Fussweg zum Meer, das ich mir direkt am naechsten Tag angeschaut hab. Danach gings dann mit dem Touri Bus quer durch Kapstadt, vorbei an allen moeglichen Sehenswuerdigkeiten, u. a. auch dem gerade fertig gestellten Green Point Stadium in dem jetzt die Fussball WM stattfindet.
Tafelberg
Durch die Innenstadt gings dann hoch an die Station zur Tafelbergseilbahn, die an dem Tag mal wieder gesperrt war. Man muss wissen dass Kapstadt besonders im Januar und Februar unglaublich starke Winde hat, daher trainieren hier um die Jahreszeit viel Windsurf und Kiteprofis. Aber dazu spaeter mehr....sobald die Spitze mit Wolken eingehuellt ist, weiss der "Einheimische" dass es besonders windig ist. Wie stark die Winde dort wirklich sind habe ich an einem Tag am eigenen Leib erfahren, bin beim Laufen beinah von der Strasse geweht worden.
Non-Whites only
Auf dem Rueckweg ging es an einem Park vorbei der zur Zeit der Apartheit erbaut wurde. Man kann es sich kaum vorstellen, die Apartheit endete erst Anfang der 90er. Als Erinnerung an diese Zeit findet man an diesem Park noch Baenke - streng unterteilt fuer weisse und schwarze. Kann man sich gar nicht vorstellen...
Nun moechte ich ein bischen von unseren Aktivitaeten berichten, hoffe ich bekomme noch alles zusammen. Als erstes natuerlich das wichtigste: Essen und Trinken.
In Woodstock, einem Stadteil von Kapstadt, gibt es jeden Samstag einen super Farmers Market. Dabei ist auf einem riesen Gelaende eine Art Markt aufgebaut, auf dem lokale Anbieter ihre Waren verkaufen, rund ums Essen und Trinken. Es gibt Obst und Gemuese, selbstgebackenes Brot und Muffins, belegte Brote, Pizza, Crepes, einheimisches Essen, Wein...einfach was das Herz begehrt. Man draengelt sich durch die Gaenge und moechte am liebsten von jedem Stand etwas mitnehmen. Die Deko ist super - Heuballen liegen herum auf denen man sich zum Ausruhen oder Essen niederlassen kann. Schade dass dieser Markt nicht jeden Tag ist....waere Stammkunde :-)
Martina, die Arbeitskollegin Lena plus Mama und ich
An einem anderen Tag gings zu Fuss auf den Lions Head. Der Lions Head Berg, hat wie der Name schon sagt, die Form eines liegenden Loewe. Ein Fussweg schlaengelt sich um den Berg herum, einmal ist man auf Kapstadt-Seite, einmal auf Meeresseite, was wirklich besonders schoen ist - wenn da nicht die unerbittliche Sonne und Hitze nebst teilweisen steilen Wegen waeren :-) Eigentlich wollten wir ganz hoch um dort mit einem Picknick den Sonnenuntergang zu geniessen. Leider waren wir etwas spaet und hielten auf halbem Wege an um die Picknickdecke auszubreiten. Bei suedafrikansichen Wein und ein paar Haeppchen wurde der Sonnenuntergang zelebriert. Unter uns das Meer mit einigen Segelbooten. Am Stand in Camps Bay (dem Beverly Hills von Kapstadt) war gerade eine Party, die Musik schallte bis hoch zu uns. Es war einfach traumhaft die Sonne zu beobachten wie sie untergeht. Habe ja schon viel Sonnenuntergaenge gesehen , aber der Sunset in Kapstadt ist etwas ganz besonderes
Auch in Kapstadt gab es auch wieder eine magische Vollmond Nacht. Martina hatte den Geheimtipp bekommen dass sich zum Sonnenuntergang eine Gruppe zur "Drum Session" am Signal Hill treffen...was genau uns erwartete wussten wir nicht. Also auf zum Signal Hill. Leider fanden wir die Location nicht gleich, wurden aber durch die lauten Trommelschlaege geleitet. Eine Gruppe von ca. 30 Leuten diverser Kulturen und Alters hatten sich auf einer Huette eines Ziegenstalls getroffen, der an den Berg gebaut war. Man musste ueber einen Baum aufs Flachdach klettern...dort drueckten uns die Organisatoren auch gleich afrikanische Musikinstrumente in die Hand...Rasseln, Schellen und kleine Trommeln. Durch Anleitung des "Spielfuehrers" enstand aus den einzelnen Toenen der Instrumente ein komplettes Musikstueck. Auf Zuruf, spaeter nur noch durch Handzeichen leitet er wie ein Dirigent uns an...so erklangen erst alle Instrumente einzeln, nach und nach kamen immer mehr Instrumente dazu. Es war wirklich ein sehr intensiver und emotionaler Abend....der Vollmond stieg hinter dem Tafelberg auf und die gesamte Kraft der Instrumente begruessten ihn. Mal leiser mal lauter wurde getrommelt und gerasselt waehrend der Vollmond immer hoeher stieg, die Lichter Kapstadts unter uns, die glaenzenden Augen unserer Mittrommler neben uns. Leider dauerte unsere Drum Session nur etwa 1,5 Std bis sich die ersten Anwohner am Hang beschwerten...echt schade, aber ein unvergesslicher Moment dir mir immer noch Gaensehaut bereitet.
In Sydney habe ich ja bereits mit meinem Segelschein angefangen, Kapstadt mit seinen starken Winden und dem Kap der guten Hoffnung direkt vor der Tuer mehr als genug Anlaesse die Segel zu hissen. An der Royal Sailing Academy wurde ich dann auch fuendig und konnte direkt einsteigen. Bisher hatte ich jedoch immer nur kleine Boote gesegelt, etwas geschockt stand ich dann vor der grossen Sportyacht. Zum Glueck war ich nicht allein, und so gings nach ausfuehrlicher Einweisung in die Yacht auch schon los. Durch Tacks and Jibes (Kreuzen des Windes) segelten wir mal mehr und mal weniger hart am Wind durch die Gewaesser. Alles mit Vorschrift unter suedafrikanischer Flagge. Ganz schoen harte Arbeit! Die Segel waren riesig und nur durch pure Muskelkraft zu vergroessern oder zu verkleinern. Einige Manoever wurden geuebt bis dann abends das Highlight kam> Die Mittwochsregatta. Aufgeteilt in 3 Gruppen wird jeden Mittwoch zum Sonnenuntergang eine Regatta abgehalten. Wir waren in der zweiten Gruppe, grosse Jacht, aber keine Wettkampfyacht. Diese zogen dann um 18 Uhr vorbei. Diese Yachten kosten Millionen, sind mit neuster Technik und Material ausgestattet. Die Crew ist ein eingespieltes Team das wirklich hart arbeiten muss. Einige Chaoten waren auch dabei und es gab einige Beinahe Crashs. Die Regatta war wirklich toll, so nah habe ich das noch nie gesehen...Am naechsten Tag tummelten sich Delphine um unser Boot, es hat wirklich Spass gemacht, ist aber koerplich auch echt anstrengend. Mein Logbuch hat nun einige Seemeilen mehr drauf, trotzem fuehle ich mich auf einer kleinen Jolle wesentlich sicherer :-)
Im Februar ist in Kapstadt Sommer! An einem Sonntag waren wir zu einem Geburtstagspicknick am Strand eingeladen. Es war soooooo heiss, an die 40 Grad. Am Strand brannte die Sonne auf uns runter, ganz faul wurde jeder Zentimeter Schatten ausgenutzt. Zugegebenermassen war der Unterschied von heisser Luft zum nur 11 Grad kalten Wasser so heftig, dass ich gar nicht schwimmen war, so ohne Neopren. Das Wasser ist zum einen so kalt weil eine Stroemung vom Suedpol dort entlangzieht und zum andern durch den ewig starken Wind das warme Oberflaechenwasser weggedrueckt wird und das kalte Wasser aufsteigt. Wie kalt sich 11 Grad anfuehlen musste ich beim Kiten feststellen. Lustigerweise gibt es in Kapstadt eine grosse Population an Pinguinen.
An einem etwas weniger heissen Tag, um ehrlich zu sein war es regnerisch und kalt, fuhren wir ans Kap der guten Hoffnung, was auf einer Landzunge ca 1 Std von Kapstadt entfernt ist. Im Vorfeld wurde ich vor den Baboons, den frechen Affen gewarnt, leider tauchte gar keiner auf. Denen war auch zu kalt...nur spaeter huepfte einer ueber die Stasse, ich war ueberrascht wie gross diese Affen sind. Jedenfalls wanderten wir bis hoch zum Leuchtturm um ein paar Bilder zu machen. Der Wind dort oben ist so starkt dass man sich zum Atmen aus den Wind drehen muss. Vom Kap aus kann man sehen wie der Indische Ozean und der Atlantik ineinander muenden. DIe Gewaesser rund ums Kap sollen besonders Hai-verseucht sein, auch hier hielt ich Ausschau, konnte aber im Wasser nix erkennen....Zitternd gings dann wieder richtung Heimat. Auf dem Weg nach Hause merkten wir, wie das Auto durchgeruettelt wird. Das Meer bestand nur noch aus weisser Gischt, jede kleine Welle flog einfach davon. So starken Wind hatte ich vorher noch nie erlebt. Beim Aussteigen musst man aufpassen dass einem die Autotuer nicht aus der Hand gerissen wurde, man konnte sich nur noch am naechst besten Baum oder Geleaender festhalten um nicht wegzufliegen.
3 Wochen gingen wieder um wie im Flug...wie immer. Vielen Dank an Martina mit der ich bei dem ein oder anderem Glas Wein ueber das Leben sinniert habe. Wir befanden uns in einer ganz aehnlichen Situation, beide nicht ganz sicher wie es weitergehen soll und wohin wir eigentlich gehoeren....es war ein wunderschoener Abschluss meiner Weltreise und Kapstadt kann ich wie so viele andere Orte nur empfehlen.
Hier kommen noch ein paar Impressionen von uns...ein Ausfuehrlicher Bericht uebers Kiten und Wakeboarden in Kapstadt folgt in den naechsten Tagen....