Mo

01

Mär

2010

Sumbawa - enjoying nature

Befinde mich gerade im Flieger richtung Kapstadt. Wuenschte die naechsten 30 Stunden waeren schon vorbei. Wenn man sich die Weltkarte anschaut koennte man fast meinen Suedafrika waere gar nicht so weit. Weil die Direktfluege dorthin aber so teuer sind, fliege ich von Brisbane ueber Darwin nach Singapore. Von dort aus gehts ueber Dubai nach Kapstadt, macht nicht wirklich Sinn, aber der Flug hat dann auch nur knapp 500 Euro gekostet.

 

Meine letzte Woche habe ich nochmal in Brisbane verbracht, das Wochenende sind wir dann zurueck an die Goldcoast gefahren, ca 10 km von Surfers Paradise entfernt, was insgesamt nur 120 km von Brisbane entfernt liegt. Das Wetter war klasse und es gab einen grossen Surfcontest bei dem einige Worldchampion mitgesurft haben. Sehr beeindruckend, vorallem wenn man selbst nichtmal 20 meter durch die Wellen paddeln kann. OK das naechste Mal nehme ich wieder ein groesseres Surfboard und kein Minibrettchen dass meine Freunde surfen, die alle schon von Kindesbeinen auf den Sport betreiben.

OK jetzt aber zurueck zu Sumbawa / Indonesien. Sumbawa liegt knapp "neben" Bali und ist quasi die Nachbarinsel, touristisch hat die Insel im Kontrast zu Bali kaum was zu bieten. Keine Nightclubs, keine Shoppingmalls, keine Restaurants. Dafuer Natur pur und viel Abenteuer. James, den ich von Sydney aus kenne, wohnt dort nun schon seit 2 Jahren. Er arbeitet fuer eine grosse Goldmienenfirma, Newport. Newport hat auf Sumbawa einen riesigen Bereich, den man nur als Mitarbeiter oder Angehoeriger betreten kann, auch der Flug dorthin, ist ausschliesslich buchbar ueber Newport. Abenteuerlich wurde es schon, als ich sah, mit welchem Flieger es dorthin ging: Ein Wasserflugzeug mit nur 10 Plaetzen. Erstaunlich ruhig wurde auf Beton gestartet und in Sumbawa im Hafen der Goldmiene dann auf dem Wasser gelandet. Das Wasserflugzeug faehrt dann seine Raeder aus und tuckert gemuetlich bis zu einer Rampe und dann auf die Landeflaeche. So ein Wasserflugzeug scheint eine gute Investition zu sein! Lustigerweise ist der Platz wirklich begrenzt, ich durfte nur 10 kg Gepaeck mitnehmen, da eh keine Windsaison war hab ich mein Kitematerial in Sydney gelassen. Fliegen nun 4 dicke Personen im Flugzeug mit, ist der Flug quasi voll, die restlichen 6 Plaetze koennen dann nichtmehr besetzt werden.

Erstmal angekommen musste ich meine Sicherheitskarte abholen und wurde von James in Empfang genommen. Wir hatten ausgemacht dass ich seine Cousine aus Deutschland bin, muetterlicherseitz, hat uns jeder abgenommen :-) Ich habe dann auch rausgefunden dass James fuer eine deutsche Firma arbeitet, Kuehne&Nagel, die dort logistisch einiges zu tun haben. Ohne Verschnaufpause gings auch schon auf das kleine Fischerboot, dass sich James und 2 andere Kollegen teilen, zum Angeln. Vorher gings aber schon in die naechste traumhafte Bucht zum schnorcheln und die ersten Biere wurden aufgemacht. Spaeter hatten wir dann auch tatsaechlich den ersten grossen Fisch an der Angel, der aber wieder reingeworfen wurde, da er immer noch zu "klein" war. Nur einige Sekunden spaeter wurds dann schon wieder etwas unheimlicher, irgendwie kamen wir den riesen Wellen vor Sumbawa recht nah, und 3 riesige Wellen, die kurz vorm brechen waren, kippten das Boot fast um. Mit Vollgas mussten wir dann direkt druber duesen ansonsten haetten wir ganz schoen doof ausgesehen.

Anschliessend begann dann das naechste Abenteuer, der Hash House Harriers Run. Hat sich irgendwie nach was anderem angehoert als es wirklich ist. Jeden Samstag trifft man sich um einen 10 km Lauf zu bewaeltigen, keiner weiss vorher wohin es geht, welchen Schwierigkeitsgrad das ganze hat und wo es endet. Die Strecke wird vorher von den Organisatoren abgesteckt. Unsere Route ging quer durch den Regenwald, dann durch eine Mangoplantage und oh Schreck, durch einen braunen Fluss. Hier konnte man auf einem Schwimmreifen sitzen, James versuchte mich noch zu ziehen. Kurz vorm Ende hats mich dann aber auch erwischt und ich musste schwimmen. Der eigentliche Spass beginnt aber erst nach dem Lauf. Da trifft sich alles und es gibt muntere Trinkspiele. Der Lauf hat seine eigenen Regeln und Strafen, ich als "Neue" musste dann vor versammelter Mannschaft ne komplette Flasche Bier trinken, schaffe ich es nicht, muss ich mir den Rest ueber den Kopf leeren, oder eine andere Strafe antreten, die mit einem Wuerfel ausgelost wird. Da gibts zum Beispiel so eine Art Roehre die man sich ueber den Arm stuelpt, und damit kann man den Arm nichtmehr knicken. So soll man nun ein Bier trinken. Man haelt dann das Bier mit dem steifen Arm, Mund weit offen, und kippt sich dann doch alles in die Nase oder uebern Kopf. Das ganze war wirklich sehr lustig, wer will kann auch Mineralwasser nehmen. Dieser Lauf wird uebrigends von vielen Firmen praktiziert, besonders auf Sumbawa, wo sonst nix los ist, freuen sich die Leute dass sowas veranstaltet wird, denn es gibt nach dem ganzen Prozedere auch immer lecker BBQ und viele Gespraeche bis in die Nacht, im Hintergrund das Meer und den Sonnenuntergang.

Wir haben Fisch geraeuchert Wir haben Fisch geraeuchert

Dann gings auf zu James Haus. Waehrend auserhalb des Mienengelaendes die Leute in Huetten leben, ist der Ort in dem James wohnt, einem durchschnittlichen Australischen Ort nicht unaehnlich. Es gibt ein Supermarkt, ein Golfplatz, ein Kindergarten und kleine Schule, eine BMX Strecke, die Wege sind betoniert und die Haeuser solid gebaut mit Klimanalage (die man dort wirklcih braucht, auch wenn ich mich an die staendige Hitze gewoehnt habe). Auch hier kommt man nur hin wenn man seine Sicherheitskarte hat. Eine Putzfrau gabs auch, die 3 mal pro Woche kommt. James Arbeitgeber hat wirklcih fuer alles gesorgt, dass es den Leuten weit weg von zuhause gut geht. Im Jahr kann man 3 Monate lang Urlaub nehmen, Heimfluege werden ab und zu auch bezahlt. Trotzdem ist man halt schon auf dieser Insel gefangen, Kollegen sind gleichzeitig auch Nachbarn und Freunde. Geruechte machen staendig die Runde. Daher haben wir auch die Geschichte erfunden dass ich die Cousine bin. Besonders die Ehefrauen die mit Baby gerade nicht arbeiten konnten und in dem Dorf ihre Zeit absitzen, waren sehr interessiert in welcher Beziehung wir zueinander stehen.

Angeln Angeln

Am naechsten Tag, Sonntag, gingen wir wieder fischen. Die Stelle konnte man nur per Fuss erreichen bei Ebbe, ueber riesige Felsen kletterten wir dann an das Ende einer Halbinsel und ich konnte meine Angel auswerfen. Leider war ich nicht so erfolgreich, staendig verhakte sich mein Haken irgendwo im Wasser, es wollte einfach keiner Anbeissen. Leider blieben wir etwas zu lange dort, denn auf dem Weg heimzus war die Flut schon so hoch dass kein Weg mehr da war und wir relativ schnell durchs Wasser und die ersten Wellen klettern mussten bevor der Weg unpassierbar wurde. Am nachmittag gings dann zu einem Wasserfall wo wir gegrillt haben. Der Weg dort hoch war sehr beschwerlich und ich hatte dank unseres Marschs durch das Wasser nur noch meine Birkenstock Schuhe die nicht nass waren. Auf halbem Weg gaben wir dann auf, ich war auch total zerstochen von Moskitos und hab mich in den BBQ Qualm gesetzt um der Plage zu entgehen. Abends waren wir dann noch Essen, und ich war total fertig und schlief erstmal 10 Stunden. Der Tag ist auserhalb Deutschlands fuer mich ein anderer, schon auf Hawaii habe ich festgestellt dass ich ganz von alleine bei Sonnenaufgang aufwache, so gegen 5.30 Uhr, dafuer aber am Abend nicht mehr so lange wach bin. So auch in Australien und Bali, morgends ist halt auch irgendwie die einzigste Zeit in der es noch schoen kuehl ist und man kann Sport machen.

Am Strand Am Strand

Ab Montag musste James dann wieder arbeiten und setzte mich quasi jeden morgen gegen 7 Uhr am naechsten Strand um die Ecke ab. Der Strand war traumhaft schoen, kristallklares Wasser, ein Riff zum Schnorcheln nur 10 m entfernt von Ufer, keine Menschenseele und links und rechts, ca 500 m entfernt super Surfspots zum Rauspaddeln. Die ersten paar Stunden habe ich nur neben der Welle gesessen und geguckt weil ich gesehen habe dass das Wasser bei Ebbe teilweise nur 1,50 m tief ist, sodass man bei jedem Fehler mit der Welle uebers Riff gewaschen wird. Kaum hatte ich mich getraut mal eine Welle anzustarten, gings auch schon kopfueber abwaerts in die Tiefe. Bloedes kleines Surfbrett. Gluecklicherweise hats mich zwar relativ weit gespuelt, jedoch nicht wirklich tief. Die naechsten Versuche endeten aehnlich und so gab ich auf um auf die Flut zu warten die das ganze etwas harmloser gestaltete. Mein normaler Tagesablauf war ansonsten folgender: Bewaffnet mit Buch, Geld, Bikini, Surfbrett und Sonnencreme konnte ich morgends dort am Strand erstmal in einer kleinen Huette meine Yoga Uebungen machen, ein bischen am Strand abwandern (dort ist ja keine Menschenseele weil ja keiner Zutritt hat) und mir dann Fruehstueck in dem kleinen Restaurant bestellen, meistens Fruechte und Pfannkuchen, das abends als Restaurant fuer die Angestellten der Miene offen hat. Dann ein kleines Schlaefchen, bischen Lesen, mal ein bischen Surfen bei Flut, Muscheln suchen, am Riff schnorcheln und die vielen bunten Fische und Korallen begutachten (hab sogar "Nemo" gesehen), wieder bischen Schlafen, Surfen und warten dass James mich wieder abholt gegen 17 Uhr. Nicht zu schlecht oder? Teilweise hatte ich auch ein Kanu mit Anker so konnte ich weit raus paddeln, meinen Anker werfen und dort schnorcheln. Ganz tief bin ich getaucht und hab mir alles genau angeschaut weils so schoen war. Definitiv das bestererhaltenste Riff dass ich bisher gesehen hab, selbst bei 3 meter tiefen wasser konnte ich bis auf den Grund schauen.

Die Zeit verging so schnell, abends waren wir dann immer sehr guenstig und gut essen, besonders der Fisch war hervorragend. Freitags hatte ich dann noch eine kleine Fuehrung durch das Mienengelaende. Ich hatte mir unter einer Goldmiene immer kleine und enge Tunnel vorgestellt. Diese Miene jedoch war ein 400 m tiefes Loch aus dem Gold geschuerft wurde. Ueberall standen riesige Trucks rum, ein Fahrer kann hier bis zu 100.000 US Dollar pro Jahr verdienen, der Job ist allerdings recht gefaehrlich und sicherlich auch etwas langweilig :-) Anfangs war ich etwas skeptisch und dachte dass die Miene bestimmt ganz schlecht fuer die Umwelt ist und viel zerstoert, hab dann aber erfahren dass die Betreiber sehr daran interessiert sind keine Abfaelle und Verunreinigungen in die Umwelt abzugeben. Alles wird gefiltert und genau begutachtet bevor es als Schlamm ueber eine Rohre ca 2 km tief ins Meer gepumpt wird. Ist die Miene in 10 Jahren "leer" werden dort Baeume gepflanzt, an einigen Stellen konnte man die ersten Baeume schon sehen. Das Dorf wird dann fuer die Bevoelkerung freigegeben. Beeindruckt hat mich der Regenwald um die Miene herum. Ueberall sassen Affen auf den Strassen, bunte Schmetterlinge sassen auf den Blumen.... Es war ein wie ein gigantisches Blaetterdach dass kein Ende nimmt. Die Sonne ging unter und ich konnte beobachten wie der Wald "geatmet" hat, Nebelschwaden stiegen wie Wolken ueber den Baumgipfeln auf, und man konnte die interessantesten Geraeusche hoeren. Da Regenzeit war, war alles sehr gruen und frisch. Irgendwie hatte ich das Gefuehl dass der Regenwald dort noch viel urspruenglicher ist als in den meisten anderen Orten an denen ich war. Die tolle Natur und die Ruhe auf Sumbawa hat mich sehr fasziniert und nach den stressigen Wochen und Monaten in Sydney geholfen, innerlich etwas zur Ruhe zu kommen. Einsam am Strand wandern, stundenlang nach Muscheln tauchen, die Gedanken schweifen lassen und wieder etwas mehr auf seinen Koerper zu hoeren - denke das nennt man innerlichen Einklang. Leider war nach 7 Tagen auch schon wieder Schluss und es ging zum Enspurt mit dem Wasserflugzeug zurueck nach Bali und am naechsten Tag nach Australien.

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