Di
01
Sep
2009
Meine Ausreise aus Australien gestaltete sich nicht gerade einfach. Durch ein Computerproblem konnte man am Flughafen mein Visum nicht finden, gleichbedeutend mit "kein Visum besitzen", was dazu fuehrt dass man Australien nicht verlassen kann und zur Botschaft muss. Super, meine ganze Tour war ja schon gebucht und bezahlt...nach einiger Diskussion habe ich meine Bestaetigungsemail aufm Laptop gezeigt, zum Glueck hab ich vor einem Jahr mal alles ordentlich abgelegt...total hektisch musste ich dann durch die Sicherheitskontrolle hetzen, die Flug war schon abgefertigt, 10 Minuten vor Start war ich dann an Bord.
3 Std spaeter erreichten wir Christchurch wo ich mein Hostel bezog. Kalt wars!!! Und besonders nervig waren die vielen deutschen Maedchen die gegen 23 Uhr anfingen nach Deutschland zu telefonieren, direkt vor meiner Tuer. Ich hoerte 3x die selbe Story bis ich gegen 2 Uhr einschlafen konnt. Am naechsten Morgen gings dann mit 1 stuendiger Verspaetung nach Queenstown Im Flieger kuendigte der Pilot an, dass das Wetter in Queenstown so schlecht sei, dass der Flug auf einen anderen Flughafen umgelandet werden muesste. 20 Minuten kreisten wir ueber Queenstown bis es dann im Nebel runterging, es ordentlich ruettelte, wir aber landen konnten. Kurz vor der Landung sah ich die riesen Berge - alle mit Schnee bedeckt.
Am Flughafen empfing mich Jon und Mike, meine Snowkite Instructor. Meine Plaene hatten sich etwas geaendert. In Wanaka, ca 100 km von Queenstown entfernt, war ein Snowkitefestival zu dem ich unbedingt wollte. Statt Sofasurfen durfte ich fuer 25 NZ Dollar (ca. 12 Euro) bei Jon im Haus uebernachten, Essen inklusive. Auf dem Weg zu Jons Haus bekam ich einen ersten Eindruck wie schoen die Natur hier ist. Man hat tatsaechlich das Gefuehl, direkt in der Herr der Ringe Kulisse zu sein...naja der Film wurde ja auch in Neuseeland gedreht. Ueberall sah man die riesen Berge bedeckt mit Schnee und in den Taelern riesige eisblaue Seen und wilde Baeche. Felsbrocken ragten heraus und ich hielt Ausschau ob ich nicht doch irgendwo Frodo entdeckte.
Jons Haus hat mich umgehauen. Es ist wirklich so wie man es sich in Neuseeland vorstellt, ein riesen Grundstueck mit kleinem See, Ausblick direkt auf die wunderschoenen Berge. Das Haus selbst war aus Stein gebaut, innen mit alten Holzbalken verkleidet. Das Wohnzimmer allein war so gross wie meine ganze Wohnung in Deutschland. Ein ca. 5 m langer alter Holztisch war das Herzstueck - neben so vielen Kleinigkeiten wie ein Ofen, der alles noch viel gemuetlicher machte. Jessy, der "Haushund" empfing mich schon ganz aufgeregt und schleuderte mir immer wieder einen Ball vor die Fuesse. Jons Frau empfing mich sehr herzlich, es war einiges los in dem Haus. Neben mir, Jons Familie und Mike waren noch 2 andere Jungs da, die aber im Campingbus schliefen und Chasta, der vierfache Weltmeister im Snowkiten. Hier bin ich richtig, dachte ich mir :-)
Leider war das Wetter nicht ganz so gut, durch meine Verspaetungen wars auch schon relativ spaet. Also fingen wir gegen 17 Uhr an zu kochen, es gab Mexikanisch und Neuseelaendischen Wein fuer alle. Um 21 Uhr fiel ich dann totmuede ins Bett, mit Ausblick auf eine Herde Lamas. In der Nacht wachte ich auf weil der Wind so stark am Dach ruettelte dass ich ein ganz komisches Gefuel bekam - am naechsten Tag sollte ich ja zum ersten Mal samt Kite aufs Snowboard steigen und durch die Gegend flitzen.
Mein Wecker klingelte um 6.30. Um 7.30 fuhren wir dann los in die Berge. Neuseeland ist halt doch relativ gross und die Fahrt dauerte gute 2 Stunden. Zuerst fuhren wir auf die "Old Man Range". Die Verhaeltnisse sind etwas anders als in Europa, die Berge sind noch sehr unberuehrt, es gibt nur wenige Skigebiete. Zur Old Man Range fuehrt nur eine ungeteerte Strasse die man nur mit Schneeketten und 4Rad getriebe bewaeltigen kann. Kurz bevor die Strasse aufhoerte sahen wir auch schon das erste Fahrzeug was steckengeblieben war und fast umkippte weil es seitlich immer mehr den Abhang runtergerutscht war. Zum Glueck hatten wir die Jeeps und konnten den anderen Wagen abschleppen. Schon hier bekam ich einen Eindruck was auf mich wartete, es war ca - 10 grad kalt und der Wind war fast Sturmstaerke. Der Weg war dann auch irgendwann zu ende und wir mussten auf Snowcats (Schneemobile) umsteigen, die uns auf die Spitze brachten. Da der Wind immer mehr zulegte, und wir waren immer noch auf der Wind abgewandten Seite, fuhren Chasta und Jon erstmal ganz hoch, kamen aber mit der Nachricht zurueck dass es unmoeglich sei, die Kites auszupacken. Der Wind war nun so stark dass man kaum noch laufen konnte. Ganz zu schweigen von Snowboarden oder Kiten. So langsam wurde mir klar dass das kein Ausflug ins Gruene werden wuerde, zumal ich mal wieder die einzigste Frau war unter ca. 13 anderen Snowkitern.
Also wieder zurueck zu einem anderen Berg. Jon heizte mit seinem Auto die schmale Strasse hoch - ich war froh dass ich hinten sass und nicht so genau sah wo wir fuhren. Auf der Snowfarm jagte immer noch der Wind uebers Schneefeld, dafuer kam die Sonne raus und es war einfach wunderschoen. Mein Kite war an diesem Tag ein 4qm "Fetzen". Wie das genau mit dem Snowkiten funktioniert schreibe ich in einem anderen Blog wenn ich die Fotos habe. Jedenfalls war der Wind dort nicht weniger stark, und so begnuegte ich mich erstmal damit den Kite zu starten, ordentlich zu fliegen und zu landen, was gar nicht so einfach ist wenn der Wind so stark ist. Nicht ganz ungefaehrlich, macht man was falsch wird man schoen uebers Eis geschliffen...Leider ging langsam die Sonne unter und es begann zu schneien. Wir sind dann nach Wanaka in eine Huette gefahren in der sich alle Snowkiter abends zum gemeinsamen Betrinken getroffen haben. Habs mir vorm Kamin gemuetlich gemacht und fast eingeschlafen...
In der Nacht legte der Wind weiter zu, laut Wetterbericht waren Winstaerken bis zu 120 kmh zu erwarten, in Deutschland geht bei solchen Vorhersagen keiner mehr ausm Haus :-) Die Nacht ueber hatte es weiterhin geschneit, man konnte richtig sehen wie der Neuschnee von den Bergen geweht wurde. Ein wunderschoener Anblick...gegen nachmittag gings dann ganz ploetzlich los, keiner konnte mehr warten und so duesten wir los. Dummerweise war der Tank fast leer, sodass wir stehen blieben. Ein Bekannter von Jon kam vorbei, der fuhr einfach neben unserem Auto, Jon machte die Tuer auf und der Bekannte griff an den Tuerrahmen und schob uns quasi an die naechste Tanke.
Aufm Berg angekommen empfing mich der naechste magische Ausblick. Die Taeler waren komplett unter der Wolkendecke verschwunden. Nur unser Gipfel ragte heraus, sowie die anderen verschneiten Berggipfel. Es gab 20 cm Neuschnee und ein gleichmaessigen nicht zu starken Wind. Endlich konnte ich dann den groesseren Kite rausholen und mich aufs Snowboard stellen. Ich hatte mirs ja schwerer vorgestellt, nach ein paar Versuchen konnt ich dann schon die ersten Runden drehen. Ein paar mal landete ich aufm Hintern, aber es wurde immer besser. Ziemlich genauso wie im Wasser, nur dass die Oberflaeche sich staendig aendert, und man besser keine Tricks versucht wenn man nicht weiss ob man sie landen kann, denn das Snowboard kann man nicht einfach wegkicken...Chasta hatte seine Boots zuhause vergessen und so bekam ich Tipps vom Weltmeister ganz gratis. Nebenbei machte er Fotos und Videos, kanns kaum abwarten sie geschickt zu bekommen.
Langsam ging dann die Sonne unter. Es war einfach unbeschreiblich, die Farbtoene des Himmels wechselten minuetlich, die Sonne versank hinter den Bergen und man konnte immer noch die bunten Kites beobachten die Haenge hoch und runter duesten.
Hundemuede fuhren wir dann nach Wanaka zurueck wo ich meine (vorest) letzte Nacht verbrachte. Am naechsten morgen gings dann zum Flughafen, der Flug war zu dem Zeitpunkt ohne Verspaetung. Als wir dann auf der Landebahn standen wurde es immer spaeter und den Piloten war keine Ausrede zu schade warum wir nicht starten konnten. Nach 1 Stunde hebte der Flieger endlich ab, und ich ahnte es schon, mein Anschluss Flug nach Sydney stand auf dem Spiel. Weil wir durch irgendwelche Gruende auch nicht gleich landen konnten wurde es immer spaeter und ich verpasste natuerlich meinen Flug, einer anderen Gruppe ging es aehnlich. So versammelten sich dann 15 veraergerte Passagiere vorm Jetstar Schalter. Weil kein weiterer Flug ging, zahlte uns Jetstar ein schoenes Hotel fuer die Nacht inklusive Abendessen und Getraenke. Am naechsten Morgen waren wir schon um 4 Uhr am Flughafen - und der Flug war wieder verspaetet...der 4 Flug von allen 4 gebuchten Fluegen mit Verspaetung.
Um 8.30 Uhr war ich dann endlich zurueck in Syndey, muede und voller Muskelkater - aber gluecklich dass ich nochmal Neuseeland kommen konnte.