Sa
08
Aug
2009
Ich konnte es kaum noch abwarten endlich raus aus Sydney zu kommen und mehr von Australien zu sehen. Am 8.7. kam Levi aus Hawaii an, im Gepaeck zwei Kiteboards, 1 Surfboard und 3 Kites. Hosen und Socken hat er sich dann hier gekauft, man muss halt Prioritaeten setzen :-)
Unser Hippie Camper war bestens ausgestattet, wir hatten einen kleinen Kuehlschrank, einen Campingkocher, Toaster, Wasserkocher und Schlafsaecke. Die Sitzgelegenheiten konnte man zum Bett ausklappen. Dann gins auch schon los. In knapp 4 Wochen wollten wir ca. 3.500 km der Kueste entlang von Sydney nach Cairns fahren, immer auf der Suche nach Wind und Wellen. Leider waren die ersten 3 Tage komplett verregnet und nachts wurde es superkalt, tja es ist halt doch Winter hier. Die ersten paar Naechte uebernachteten wir auf verschiedenen Campingplatz. "Wild" campen ist verboten und wer erwischt wird, muss eine Strafe zahlen. Fast alle Campingplaetze waren supersauber, ausgestattet mit BBQ Plaetzen und einer Kueche, wir mussten also nicht immer unseren Campingkocher benutzen.
Auffaellig war dass soviele Rentner unterwegs waren. Anscheinend faehrt jeder Rentner aus dem kalten Sueden hoch in den warmen Norden. So fanden wir uns bei "lustigen Karaoke-Abenden" wieder, vor den Duschen sahs manchmal aus wie aufm Parkplatz, ueberall standen die elektrischen Rollstuehle rum. Highlight war der Hinweis im Camp Kitchen dass die Nachttoepfe bitte nicht in die Spuele gelert werden sondern in eine Sickergrube. Schade dass ich von dem Schild kein Foto gemacht habe...
Nach einigen Tagen wurden wir mutiger. Nachdem die Campingplaetze richtung Goldcoast immer voller wurden und nichtmehr so schoen am Strand lagen, suchten wir uns ueber Nacht oefters ein Versteck und schliefen in der Wildniss. Teilweise ganz schoen unheimlich so mitten im Nirgendwo. Aber immer schoen. Abends klappten wir unsere Campingstuehle aus, kochten und schauten bei einem Bier den wunderschoenen Sternenhimmel an. Jede Nacht konnte man die Milchstrasse sehen....leider war es teilweise so kalt dass das Wasser gefroren war.
Die Straende waren alle wunderschoen, so grosse Wellen hab ich teilweise nichtmal in Hawaii gesehen. Umso weiter wir nach Norden kamen, desto mehr Wind gab es und die Freude war gross als wir auch die ersten bunten Kites sahen. Leider hat mich die erste groessere Welle gleich so mitgespuelt dass ich direkt nach 2 Minuten den Kite ins Wasser gestuerzt hab und nichtmehr starten konnte. Levi hingegen hatte seinen Spass, mit seinem Surfbrett flitzte er die Wellen hoch und runter, und wie auch in Hawaii stoppte alles fuer ein paar Minuten um seine Spruenge zu beobachten. Am naechsten Tag kam ich dann auch auf meine Kosten, mit einem komischen Gefuehl im Bauch, ueberall hingen Warnschilder dass man nicht ins Wasser gehen soll wegen diversen Quallen die z.T. lebensgefaehrlich sein koennen. Zum Glueck war die schlimmste Zeit schon rum...trotzallem war ich froh nicht ins Wasser zu fallen.
Ansonsten vertrieben wir uns die Wind- und Wellenfreie Zeit mit anderen Aktivitaeten wie der Besuch einer Rumfabrik (mit anschliesenden Probetrinken - wir kauften sogar 3 Flaschen Rum), einem Besuch einer Koala und Kaenguruh Aufzuchtstation oder einer Wildwasserrafting Tour. Ein "kleiner Umweg" stellte sich als eine 600 km lange Strecke heraus, den Wasserfall den wir sehen wollte, war wegen der Trockenzeit ebenfalls nicht existent. Dafuer haben wir den besten Burger von ganz Australien dort gegessen. Die meiste Zeit verbrachten wir aber damit, geeignete Straende zu finden oder ein Versteck fuer die Nacht. Einen lustigen Zufall gabs auch, wir unterhielten uns mit einer aelteren Frau, es stellte sich heraus, dass sie in Bensheim aufgewachsen ist und nach dem Krieg mit der Familie ausgwandert ist. Bensheim liegt ca 25 km von meinem Heimatort Darmstadt entfernt.
Nach ca. 14 Tagen erreichten wir das Great Barrier Reef. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass wir die ueblichen Trips wie Fraser Island oder Schnorcheln an den Whitsunday Islands gestrichen haben. Irgendwie war ich ein bischen enttauscht und hab schon schoenere Straende und klareres Wasser gesehen. Glaube nach fast 10 Monaten Reise haut mich irgendwie nichts mehr um. Auserdem waren die Ausfluege furchtbar teuer und total Touri-maessig.
Die einzige Insel die wir besuchten war Magnetic Island. Hier schliefen wir ausnahmsweise mal im Hostel und konnten abends auchmal Party machen, fuehlte mich richtig alt unter all den jungen Huepfern :-)
Am naechsten Tag liehen wir uns Raeder aus und erkundeten die Mini-Insel. Nachmittags wollte ich unbedingt eine 3 stuendige Ausritt machen und freute mich dass Levi mich begleitete. In einer kleinen Gruppe gings durchs Buschland an den Strand wo wir galopieren konnten, also die mit den Pferden die nicht alle 2 Meter zum Fressen stehen blieben. Dann wurde abgesattelt, die Badesachen angezogen und ab ins Wasser mit den Pferden. Die fanden das richtig toll...wir gingen so tief ins Meer dass die Pferde fast schwammen. Anschliessend durften wir auf die Ruecken der Pferde klettern, wer nicht stehen konnte fiel dann ins Wasser.
Die letzten 7 Tage blieben wir in Port Douglas, ca 100 km noerdlich von Cairns zum Kiten. Hier "versteckten" wir uns ganz offiziel am Kitebeach. Der Parkplatz sah fast aus wie ein Campingplatz. Jeden Abend rueckten etwa 15 Campervans an. Wir hatten uns den besten Platz "reserviert", zwischen ein paar Bueschen mit Ausblick aufs Meer. Wir fuehlten uns fast wie zuhause, unsere Waesche hing an der Waescheleine, die Campingstuehle und der Tisch standen drausen und das ganz illegal und kostenlos, was aber keinen interessierte. Abends schlich ich mich dann ins Sheraton Resort das genau nebendran war. Hier gabs eine Saune mit Duschen, die wir vorher observiert hatten. So konnten wir auch warm duschen :-)
Der Wind war konstant gut, morgends gegen 10 Uhr gings los und gegen 18 Uhr abends hoerte der Wind wieder auf. Es hat wirklich Spass gemacht dort zu kiten, Wellen gabs keine, dafuer ganz ruhiges Wasser, welches bei Ebbe machmal nur 20 cm tief war, und das 500 meter vom eigentlichem Strand entfernt. Ein paar Mal bin ich ganz schoen auf meinem Hintern gelandet....
Die Zeit ging leider viel zu schnell rum. Den letzten Abend machten wir bei Vollmond und Rotwein ein Lagerfeuer. Am naechsten Morgen gings dann ziemlich hektisch an den Flughafen, wir hatten ordentlich Uebergepaeck was zu einer riesen Diskussion fuehrte. Zum Schluss waren wir so spaet dass wir am Flughafen ausgerufen wurden...Zurueck in Sydney empfing uns Sonnenschein, Levi machte sich dann wieder auf dem Heimweg nach Hawaii, im Gepaeck meine Kitesachen da ich im Winter ja wieder auf Hawaii bin. Ich blieb in Sydney zurueck um ein bischen Geld zu verdienen.
Seit ich nun wieder hier bin wach ich Nachts auf und denke dass ich immer noch unterwegs bin, und finde dass das ein wirklich schoenes Zelt ist, in dem ich wohne. Hoffe ich gewoehne mich bald wieder an alles....