Mo
27
Apr
2009
...auch wenn ich bereits in Sydney bin moechte ich euch trotzdem nochmal von Kauai berichten, da ich dort wirklich eine wunderschoene Zeit hatte. Wie ja schon erwaehnt hatten wir weder ein Hotel noch einen Plan was wir genau machen wollten. Nachdem der Wind nachgelassen hatte, entschlossen wir uns den 44 km langen Na Pali Coast Trail zu wandern. Die Strecke gehoert zu den schoensten Trails der Welt und fuehrt entlang der Kueste bis zu einem abgelegenen Tal, dem Ende der Strecke, von dort aus geht es dann auf dem selben Weg zurueck. Da wir ja nicht besonders gut ausgeruestet waren packten wir die wenigen Sachen in den Rucksack der dann doch erstaunlich schwer war. Statt Regenjacken hatten wir nur Muelltueten in diewir Loecher schnitten, statt Schlafsack hatte ich ein Kopfkissen und eine duenne Decke dabei...und dann unser legendaeres Zelt dass so klein war dass nur ein KInd drin schlafen konnte. Egal...ich hatte die letzten Naechte schon unter freien Himmel geschlafen. Ueber mir tausende von Sternen, vor mir das weite Meer, eine wunderbare Erfahrung.
Die Nacht vor unserem Marsch schliefen wir, weil es in Stroemen regnete, in unserem Auto auf einem Campingplatz. Morgends um 8 Uhr gings dann los. Erstaunlich viele Leute waren bereits vor uns es
wurde auf dem schmalen Pfad fast eng. Zum Glueck stellten die meisten der Flip Flop-tragenden "Wanderer" fest, dass der Weg ohne feste Schuhe nicht zu bewaeltigen war und kehrten
um. So wurde es nach einigen Minuten immer ruhiger und die Natur praesentierte sich in ihrer schoensten Form. Der Pfad, ca 40 cm breit
war leider durch den Regen total matschig, auch die vielen Felsen ueber die man klettern musste waren glitschig sodass man sich schon sehr konzentrieren musste um nicht auszurutschten. Uber Stock und
Stein gings an den 1000 meter hohen Klippen entlang, ueberall blueten wunderbar riechende Orchideen und Lilien und man hoert die Voegel zwitschern. Schon lange gab es kein Handy Empfang mehr, wir
waren wirklich mitten in der Wildniss, ganz auf uns alleine gestellt. Auf Kauai wurde uebrigendsJurassic Park und die Serie "Lost" gedreht. Genauso fuehlte ich mich. Erschreckend nahe am Pfad ging es
steil, ca 500 meter in die Tiefe. Man konnte das das tuerkis blaue Meer durch die Baumwipfel sehen, in der Ferne tauchten immer wieder Wale auf, die man beobachten konnte. Leider war kaum Zeit
laenger Stopp zu machen da sich die 22 km durch die vielen Hoehenunterschiede und Flussueberquerungen (huepfend von Stein zu Stein) zogen.
Den ersten langen stopp machten wir an einem riesigen Wasserfall, der wie aus dem Nichts ploetzlich vor uns auftauchte. Auf ca 300 m stuerzte sich das tosende Wasser in das Tal. Total aufgeregt zog
ich meine Schuhe aus und wollte in dem See richtung Wasserfall laufen. Da passierte es, ich rutschte aus und fiel samt Schuhen ins Wasser. Mein frisch verheiltes Knie fing wieder an zu bluten und die
Schuhe waren komplett nass. Tja, da wir schon zu weit gewandert waren musste ich dann mit nassen Schuhen weiter, was aber egal war, denn es fing ohnehin an zu schuetten. Unsere Muellsaecke machten
sich wunderbar!!!
Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir dann das Ziel und schlugen das Zelt auf. Zum Glueck regnete es die Nacht nicht sodass ich wieder drausen schlafen konnte. Gruselig....so ganz in der
Einsamkeit...aber auch schoen der Natur so nah zu sein.
Der naechste morgen war schrecklich. Meine Fuesse taten soooo weh und mein Knie war dick und schmerzte ebenfalls. Aber es gab
nur einen Weg zurueck, 22 km :-) Stuendlich wurde eine Banane oder Powerriegel gegessen denn der Trail hat es wirklich in sich da man staendig ueber riesige Wurzeln, umgestuerzte Baueme oder Felsen
klettern muss. Nachmittags ueberholten wir ein Paerchen dass in einem erbaehrmlichen Zustand war, wir mussten die ganze Zeit an die beiden denken und hofften dass sie vor Sonnenuntergang zurueck
gekommen waren, da es auf dem Trail keine Moeglichkeit zum Campen gibt. Die letzten 3 Stunden waren wirklich eine Qual. Ich dachte nur noch daran einen Schritt vor den anderen zu setzen um irgendwie
zum Auto zu kommen. Kurz vor Sonnenuntergang hatten wir es geschafft, total stolz dass wir es mit unserer "Ausruestung" geschafft hatten. Diesen Abend goennten wir uns ein Restaurantbesuch und sogar
ein Glas Wein!!!
Am naechsten Tag drueckten wir uns noch ein bischen am Strand rum und beobachteten die Surfer. In den Wellen konnte man auch eine blonde Frau surfen sehen...bei genaurem Hinsehen stellte ich fest dass ein Arm fehlte. Es musste Bethany Hamilton sein, die vor einigen Jahren ihren Arm bei einem Haiangriff auf Kauai verlor. Sie gab nicht auf und gehoert heute zu Hawaiis Surfelite. Wahnsinn oder? Einen Bericht dazu findet ihr hier... http://www.cbn.com/700club/guests/bios/bethany_hamilton_101204.aspx
Aber keine Sorge...Haiangriffe sind wirklich sehr sehr selten. Das Strandbild hae ich uebrigends an dem Strandabschnitt aufgenommen wo das Unglueck passierte.
Nachmittags erlebten wir eine sehr traurige Szene. Mein Hunger trieb mich in richtung einer Strandgesellschaft (der naechste Shop war relativ weit entfernt). Erst dachte ich, es waere ein Fest
weil ueberall leckere Kuchen rumstanden, die mich magisch anzogen. Dann sah ich ein Bild eines jungen Mannes und ein Buch in das die Gaeste schrieben und mir wurde klar, dass es sich um eine
Trauergesellschaft handelt. Anders als in Deutschland waren Freunde
und Familie bunt gekleidet, jeder hatte eine traditionelle Hawaiianische Blumenkette umhaengen. Viele junge Leute mit ihren Surfbrettern waren ebenfalls da. Wie auf Kommando paddelten oder schwammen
die meisten ein paar Meter in den Ozean und platzierten sich im Kreise. Dann wurden die Blumenkette in die mitte geworfen und die Leute jubelten und spritzten Wasser in den Kreis. Meine Begleitung
erklaerte mir, dass man sich in Hawaii nicht zusammenfindet um zu trauern, sondern um das Leben der Person zu feiern...auch wenn viele der Gaeste trotzdem weinten. Im Nachhinein haben wir erfahren
dass der junge Mann vor einigen Wochen vom Surfen nicht zurueck kam. Man fand sein Surfboard, er blieb jedoch verschollen. Offensichtlich ist er ertrunken und man verabschiedete sich nun so von ihm.
Der restliche Tag waren wir sehr ruhig und nachdenklich, da uns mal wieder bewusst wurde wie schnell das Leben vorbei sein kann und die Gefahr
jedesmal "mitsurft" wenn wir ins Wasser gehen. Nur ein paar Tage sollte ich das beim Nachtkiten wieder erfahren muessen...
Hawaii praesentierte sich in den letzten Tagen wunderbar sonnig, eine Nacht feierten wir den Abschied von einigen Leuten, auch meinen, mit einem Lagerfeuer am Strand. Es war sooo lustig...einige
versuchten sich darin, ueber die gluehenden Kohlen zu laufen. Nicht einfach wenn man betrunken ist und jemand anderen Huckepack hat. Gegen 3 Uhr pumpten wir die Kites auf und schliefen
darunter.
Der Sonnenaufgang war unfassbar schoen, wissend dass es einer der letzten sein wuerde und wir in dieser Kombination nie wieder zusammen
kommen wuerden, waren wir alle sehr traurig. Gegen 7 Uhr machten sich dann die ersten auf und kiteten "nach Hause". Lustige Vorstellung...zumal die Autos laenger brauchten als die Kiter.
Dann kam mein Abschiedstag und es regnete in Stroemen. Morgends ging ich nochmal 2 Stunden kiten, ich war so ziemlich die einzigeste.
Gegen 15 Uhr wurde ich dann abgeholt und an den Flughafen gefahren. In mein riesiges Boardbag passte einiges, sodass ich nur wenig Ubergepaeck zahlen musste. Und schwuuuuups, sass ich im Flugzeug und
konnte nicht fassen dass 3 Monate um waren. Traurig trat ich meinen 10 Stunden Flug nach Australien an...