Sa

04

Apr

2009

...a nightly "Kitemare"

Da ich immer noch kein Laptop habe dauert mein zweiter Kauai Bericht noch ein bischen...die Bilder sind einfach zu schoen und ich moechte sie euch nicht vorenthalten. Daher noch ein bischen Geduld.

 

Seit ca 4 Wochen haben wir eigentlich jeden Tag super Wind und ich uebe fleissig meine Spruenge. Mein neuer Kite (ich bin soooo stolz) macht sich ganz wunderbar. Vor 2 Tagen kam die Idee auf, mit ein paar Bier bewaffnet nachts gegen 11 Uhr am Strand aufzuschlagen und im dunklen Kiten zu gehen. Gesagt...getan, 3 Leute wollen raus, der Rest blieb am Strand. Es war schon irgendwie komisch weil es wirklich dunkel war, der Halbmond war nicht wirklich hell und die Wolken schoben sich immer wieder davor. Man macht alles nach Gefuehl und bestem Wissen denn man kann teilweise nichtmal die Farben der Leinen erkennen, die verbunden werden muessen. Kaum war der Kite im Himmel (von unten sah er aus wie ein riesiger Drachen der ueber mir flog) gings auch schon mit Jubel raus aufs Meer. Diesmal starteten wir aber nicht in Kailua sondern in Lanikai, etwas weiter weg. Zugegebenermassen wusste ich nur dass bei Ebbe die Riffe rauskommen und vor kurzem ein Hai dort gesichtet wurde. Achso...und Flat Island wo ich mich mal so verletzt habe ist auch dort.  Egal dachte ich mir, wird schon gut gehen...

Es war wirklich wunderschoen ueber das Wasser zu flitzen, der Mond spiegelte sich ein bischen, weder Wellen noch Entfernungen kann man sehen. Man muss sich komplett auf sein Gefuehl verlassen, ich hatte das Gefuehl ich kitete sogar besser als sonst...immer wieder fuhr ich raus...was irgendwann zum Problem wurde.

Ich versuchte mich an einem Haus zu orientieren dass in den Zimmern Licht anhatte um zu sehen wohin ich zurueck fahren muss um nicht zu weit abwindig zu fahren. Dummerweise machte irgendwann jemand das Licht aus, sodass ich gar nichtmehr wusste wo der Strand ist. Levi, mit dem ich drausen war kurvte immer um mich herum und forderte mich auf, Richtung Flat Island zu kiten. Neee, da mag ich nichtmehr hin dachte ich mir. Keine Experiemente im Dunklen. Ich haette besser auf ihn gehoert.

Levi ist knapp 20 Jahre und einer der besten Kite die ich jemals gesehen habe. Er verbringt jede freie Minute im Wasser und macht dort die wildesten Dinge. Ein Wunder dass er noch keine Profi Karriere gestartet hat.

Und so versuchte ich immer weiter rauszufahren um dann wieder in einem grossen Bogen aufwindig zu fahren...bis ich mir vorkam als ob bis zum Ende der Welt fahre und dort in einen Abgrund falle. Irgendwann sah ich dann an Land einen schwarzen (ja, ich konnte zwischen ganz schwarz und schwarz unterscheiden) Rand. Der Strand dachte ich mir...aber irgendwie kamen mir die hohen Wellen verdaechtig vor die dort brachen. Vorsichtig fuhr ich hin bis ich ca 10 Meter davor feststellte und leider auch fuehlte, dass hier kein Strand ist, sondern eine riesige Felswand an der die Wellen klatschten. Panisch versuchte ich umzukehren und machte natuerlich einen Fehler und stuerzte meinen neuen Kite ins Wasser. Unter normalen Umstaenden kann ich ihn wieder starten, doch so nah am Felsen war kein Wind und es waere zu gefaehrlich gewesen denn der Kite haette mich an dann an die Wand geschleudert. Dann spuerte ich die Stroehmung unter Wasser und verlor mein Brett, da ich nie eine Sicherheitsleine fuer das Brett benutze :-( Das wars dann also...ich machte mich bereit zum Allerletzten, den Kite von meinem Trapez abzumachen die Sicherheitsleine zum Kite zu ziehen und den Kite gehen zu lassen. Andernfalls haette er mich gegen die Wand geschleudert oder unter Wasser gezogen. Doch so weit wars zum Glueck noch nicht, ich wickelte schnell die Leinen auf meine Bar, mit der ich den Kite lenke, und schwamm so schnell wie ich konnte zum Kite und schnappte ihn mir. Genau in diesem Moment sah ich Levis Kite in der Ferne und schrie mir die Seele aus dem Leib. Zum Glueck hoerte er mich und schleppte mich aus dieser gefaehrlichen Zone raus. Ich hielt mich an seinem Trapez fest, in der anderen Hand der Kite und wir erreichten ruhigeres Gewaesser. Waehrend er mich abschleppte, hoerte ich Kim rufen die mit uns drausen war. Sie geriet auch in Seenot. Waehrend ich mit Kite unterm Arm zurueck schwomm, kitete Levi zu ihr und vollbrachte ein Meisterwerk. Ihr Kite lag so im Wasser das es fast unmoeglich war ihn wieder zu starten. Levi uebergab seinen Kite der noch in der Luft war, an Kim, die zurueck fuhr. Er selbst brachte im dunklen Wasser den Kite wieder so in Position und startete wieder. Eigentlich unmoeglich wenn man ueberlegt dass die 20 Meter Leinen sich ja staendig verwickeln.

Waehrend ich so heimschwomm musste ich immer wieder an die Haie denken...Kim erzaehlte spaeter dass genau in dem Moment in dem sie den Kite abstuerzte neben ihr eine schwarze Boje hochpoppte die sie zu tode erschreckte.

Gegen 3 Uhr nachts waren wir dann wieder alle komplett am Strand. Auf den Schreck gabs erstmal eine Runde Bier und danach ein befreiendes Gelaechter ueber die Geschichte die zum Glueck gut geendet hatte...

Mein Board haben wir auch wieder gefunden. Es hat ein paar Kratzer und der Tragegriff ist gebrochen. Er ist aus Carbon...man kann sich vorstellen wie kraftvoll die Wellen an die Wand brechen.

Der Held des Abends, ach der ganzen Woche, war Levi, der trotz der ernsten Lage so ruhig geblieben ist und nicht nur meinen Kite und Board rettete, sondern auch uns Maedels.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading